Aufruf: Aufsuchende Behandlung stärken

Seit der erstmaligen Veröffentlichung des folgenden Aufrufs am 9. Januar 2016 haben bis zum 5.3.2018  1500 Personen unterzeichnet, Angehörige und Freunde psychisch erkrankter Menschen, Psychiatrieerfahrene und professionell in der Psychiatrie Tätige verschiedener Berufsgruppen. Besonders freuen wir uns über die Unterstützung namhafter leitender Klinikärzte sowohl aus Universitätskliniken als auch aus psychiatrischen Abteilungen an allgemeinen Krankenhäusern. Weiter freuen wir uns über die Unterstützung durch mehrere Fachgesellschaften. Der Aufruf wurde von sämtlichen Landesverbänden der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen unterstützt.

Mit Schreiben vom 10.April 2018 haben wir den Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz der Länder, Herrn Laumann, über diesen Aufruf informiert.

An alle Verantwortlichen in Politik, Verwaltung, Psychiatrie und Krankenversicherung

Menschenwürde wahren, Zwangseinweisung vermeiden, aufsuchende Hilfen stärken


Das psychiatrische Versorgungssystem weist gravierende Lücken auf. Gerade schwerkranke Menschen, die ihre Hilfsbedürftigkeit nicht erkennen oder die nicht in der Lage sind, Hilfen einzufordern, werden vom Versorgungssystem nicht erreicht.


Als Grund wird angeführt, es sei  nicht möglich, ohne die Zustimmung des kranken Menschen irgendetwas zu unternehmen, seine Autonomie sei zu respektieren. Als Folge fehlender Behandlung kommt es nicht selten zu Zwangseinweisungen, Einweisung in die Forensik, schweren Schäden der materiellen oder sozialen Situation.


Wir sind der Meinung: Gerade der Respekt vor Würde und Autonomie eines psychisch kranken Menschen erfordert es, alles zu tun, um ihn möglichst vor potentiell entwürdigenden Maßnahmen wie Zwangseinweisung und Zwangsbehandlung zu bewahren. Respekt vor der Autonomie eines psychisch kranken Menschen darf keine Entschuldigung für Untätigkeit sein.


Wir fordern: Das psychiatrische Versorgungssystem ist weiter zu entwickeln. Es sind aufsuchende Hilfsangebote zu schaffen. Es sind auch dann Hilfen anzubieten, wenn der psychisch kranke Mensch sie nicht selbst anfordert oder zunächst sogar ablehnt.


Ziel muss sein, ohne Zwang die Zustimmung des kranken Menschen zu einer Hilfe zu erreichen. Es müssen Hilfsangebote so beschaffen sein, dass schwerkranke Menschen sie annehmen können.


Eine Klinikeinweisung mit Zustimmung des kranken Menschen schafft eine bessere Grundlage für die therapeutische Arbeit als eine Zwangseinweisung.

 

Lesen Sie auch die Resolution sämtlicher deutscher Angehörigenverbände vom Juni 2016

 


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